Ein Herbstbrauch wird Industrie.
Das «térgelen» ist ein schöner Südtiroler Brauch. Im Spätherbst kamen die Männer (!) im Keller bei der Torggl zusammen, der Weinpresse, und prüften den Reifevorgang des neuen Weines, der «Suser» heißt. Um die Säure und den beginnenden «Geist» abzufedern, aßen sie ein paar Keschtn dazu, die haben basische Wirkung. Und lustig wurde es von allein.
Aus diesem «Underground» heraus entwickelte sich das «Törggelen», das heute überwiegend die Züge einer Fress-Industrie hat, mit Schlachtplatte und Krapfen von September bis Weihnachten, mit Bussen und gerammelt vollem Parken vor dem geschniegelten Bauernhof.
In den exaltierten Werbeberichten wird dann immer erklärt, woher das Wort «Törggelen» kommt. Jetzt wisst ihr es. Die Torggl hat als Grundwort das lateinische torquere, pressen. Das Wort « torkeln» hat damit zu tun, das Wort «Tortur» aber auch. Zeit, zum «térgelen» zurück zu finden.